Von der Presse
Interviews
popconnection
.....produzieren, entschließen sie sich, es selbst in die Hand zu nehmen. Doch die Mühe hat sich gelohnt, denn herausgekommen ist ein fantastisches Debüt-Album, dass schließlich doch seinen Weg zu dem Label "Mi Amante" gefunden hat.
popconnection hat sich mit Bassist Tom Hausmann über Palestar unterhalten. Lest selbst, was dabei herausgekommen ist...
popconnection: Ihr habt vor kurzem euer Debüt-Album Mind the Landscapes veröffentlicht. War für euch bei der Bandgründung schon klar, dass ihr das Ganze nicht nur für den Proberaum macht, sondern, dass da mal mehr draus werden soll?
Tom: Nicht wirklich. Aber wer denkt das schon, wenn man gerade anfängt, sein Instrument zu erlernen. Da ist man mit anderen Sachen beschäftigt, als an den "großen Traum" zu denken. Raus wollten wir schon von Anfang an, aber inwiefern sich das dann entwickeln würde, traute sich da noch keiner zu denken.
popconnection: Mind the Landscapes habt ihr ja ursprünglich selbst produziert...
Tom: Ja. Also der Bandanteil ist da sehr sehr hoch, weil wir es so wollten. Wir haben uns lediglich unseren Techniker, mit dem wir da schon seit zwei Jahren zusammengearbeitet haben, ins Haus geholt und zusammen mit ihm darüber gesprochen, was wir wollten und haben uns dann mit ihm herangesetzt.
popconnection: Das Album ist ja dann schließlich doch bei "Mi Amante" erschienen. Wie kam es, dass doch ein Label darauf aufmerksam wurde?
Tom: "Mi Amante" war eine ganze Zeit vorher schon mal ein Thema, bevor wir die Platte dann selbst produziert haben. Aber so recht konnte uns "Mi Amante" da noch nicht weiterhelfen. Wir hatten "nur" unsere EP Coming up for Air gehabt und damit ein Label zu finden, dass es veröffentlichen würde, war nicht drin für uns. Aber uns ging es darum, unsere Platte deutschlandweit zu publizieren und somit haben wir uns mit Thomas von “Mi Amante zusammengesetzt und beschlossen, dass “Mind the Landscapes” darauf erscheinen wird.
Das ist so das alte leidige Thema, dass es der Musikindustrie hier nicht gerade rosig geht und dir keine Plattenfirma geschweige denn ein Label, eine Produktion finanzieren kann bzw. will.
Aber wir sind sehr froh mit dem Schritt, den wir mit "Mi Amante" gemacht haben.
popconnection: Hat sich denn der Druck auf die Band erhöht, jetzt, wo ihr bei einem Label seid?
Tom: Nö, überhaupt nicht. Wir gehen immer noch in den Proberaum, mit dem Ziel, den "Soundtrack of our Lives" zu machen und da spielt das, was "draußen" geschieht, keine Rolle. Erhöht hat sich eher unser Druck auf die Welt da draussen, endlich auf uns mal aufmerksam zu werden. (lacht)
popconnection: Noch mal zurück zur Musikindustrie: Wenn man sich die momentane Musiklandschaft ansieht, haben wir den Brit-Pop aus Großbritannien und auch in Schweden hat sich eine richtige Musikszene entwickelt, die auch im Ausland beachtet wird. In Deutschland gibt es momentan auch viele gute englischsprachige Gitarrenbands. Wieso meinst du, etabliert sich diese Szene nicht auch im großen Maße im Ausland? Wird zu wenig von der Musikindustrie dafür getan?
Tom: Schwierig zu sagen. Ich steck da eigentlich gar nicht so drinnen. Ich kann hier nur Wage vermuten, dass da vielleicht einfach nur der Glaube an deutsche Bands schon innerhalb des Landes etwas bröckelt und den brauch man, um im internationalen Geschäft zu bestehen. Ich meine zum Beispiel mit Tokio Hotel wird ernsthaft wieder mal versucht, zu exportieren. Kommerziell einfach zu vermarkten und von daher kein großes Risiko, rote Zahlen zu schreiben. Aber wie gesagt, das ist nicht mein Gebiet...
popconnection: Hattet ihr denn schon mal die Möglichkeit im Ausland zu spielen?
Tom: Na gut, ja wir waren einmal in Österreich für einen Auftritt vor ca. zwei Jahren. Aber ansonsten haben wir keine Gelegenheit gehabt bzw. haben wir uns "nur" darauf konzentriert, hier in Deutschland zu spielen. Wir würden gern, aber wie gesagt, konsequente Schritte eingeleitet, um dies zu machen, haben wir noch nicht.
popconnection: Kommen wir mal auf euer Album Mind the Landscapes zu sprechen. Wenn man sich die Reviews so anschaut, sind diese ja durchweg positiv. Wie seid ihr selbst mit der Medienresonanz auf euer Album zufrieden?
Tom: Wir sind im Großen und Ganzem sehr zufrieden damit, da es uns zeigt, dass es eine Menge Leute da draußen gibt, die sich täglich mit etlichen Bands auseinandersetzen müssen, von denen einige echt nicht grad besonders gut sein müssen, wenn man sich durch das Chaos etlicher E-Fanzines klickt und da auch furchtbare Sachen liest. Und diese Leute setzen sich mit unserem Album zunächst auseinander, was uns schon mal viel bedeutet. Wenn man aber dann noch obendrein erfährt, das unser Album mehr als die üblichen 2-3 Mal durchgelaufen ist, freut man sich noch mehr. Und dann noch solche Kritiken zu bekommen, setzt dem Ganzen die Krone auf. Ja, wir sind echt zufrieden.
Aber es gibt auch Dinge, wo wir uns gewünscht haben, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Sprich wesentlichere Magazine, ohne hier Namen nennen zu müssen, denn ich denke du weißt bescheid, wer gemeint ist...
popconnection: Ja, ich kann's mir denken.
Tom: Aber letztendlich geht es hier um die Leute, die sich gern mit unserer Platte auseinandersetzen. Jedoch betrachtet man als Band auch immer die Sache von der Seite, wie man möglichst an viele Leser rankommt. Obwohl es wiederum auch egal ist, da monatlich hunderte Platten erscheinen und kein Mensch auf der Welt die Zeit und das Geld hat, sich damit zu beschäftigen.
popconnection: In den Medien werdet ihr ständig mit Radiohead verglichen. Seht ihr das selbst auch so oder welche musikalischen Einflüsse würdest du sagen, habt ihr?
Tom: Puh, musikalische Einflüsse und dazu noch Radiohead...Okay, fang ich mal mit Radiohead an. Wenn man jemanden fragt, die Musik mit Worten zu beschreiben, greift man eben auf Referenzen zurück. Das ist okay. Klar hören wir das oft. Kommt darauf wie man es sieht. Zum einen ist es ein großes Lob, in einem Atemzug wie Radiohead genannt zu werden. Mir selber fällt es auch unglaublich schwer, unsere Musik zu beschreiben. Da machen sich es ein paar Leute leichter und greifen nach den naheliegensten Sachen. Kennst du zum Beispiel Kashmir?
popconnection: Ja, die kenn ich.
Tom: Wieso sagt das keiner über Kashmir? Wieso über uns? Und eigentlich warum auch? Wenn die Presse bzw. Medien so was schreiben, wollen sie's ja nicht uns sagen, sondern den Leuten da draußen. Und von daher macht man es sich da etwas leicht bzw. macht es anderen leichter, sich eine Vorstellung von dem zu machen, was auf unserer Platte zu hören ist. Vielleicht also gar nicht so blöd. Und musikalische Einflüsse nehmen wir uns von überall her, aber am wenigsten von Radiohead.
popconnection: Dann gibt es wahrscheinlich auch keinen Zusammenhang zwischen Thought Police auf eurem Album und Karma Police von Radiohead. Das hab ich nämlich auch irgendwo gelesen...
Tom: Gar nicht. Das Alphabet besteht aus 26 Buchstaben, die nur in einer gewissen Reihenfolge einen Sinn ergeben und genauso sieht's auch mit Noten aus. Wir arbeiten eben wie alle anderen auch mit den Sachen, die uns gegeben sind.
popconnection: Sind diese ewigen Vergleiche nicht auch manchmal nervig?
Tom: Na ja, was will man machen. Steuert man dagegen, bringt es auch nichts. Die Leute packen einen da rein, wo sie uns sehen wollen. Was soll's. Ist nicht unser Problem. Und nerven tun meist die Dinge, auf die man sich versteift. Für uns zählt, was wir dabei fühlen, wenn wir einen Song spielen.
popconnection: Wie entstehen denn eure Songs?
Tom: Unterschiedlich. Wenn du als Sänger gerade dabei bist, einen Song zu schreiben, fängst du an, in deinem Kopf mit allen stilistischen Möglichkeiten herumzuspielen, die du kennst. So kann es also kommen, dass ein Song schon eine relativ klare Linie hat und wir ihn als Band zusammen zu dem machen, was er am Ende ist. Wiederum entstehen Sachen im Probenraum als Band, bzw. wir haben viele kleine Songschnipsel, die wir wie ein Puzzle zusammensetzen und mit einer Glasur Psychedelic und Atmosphäre überziehen. Manchmal hängt man sich an einer unbedeutenden Line auf und daraus wird ein wahres Prachtexemplar von Song.
popconnection: Ihr habt ja mit Palestar auch einen myspace-Auftritt...
Tom: Ja. Ich bin echt sehr angetan von myspace. Wirklich. Es ist wie in einem riesigen großen virtuellen Kaufhaus. Wir haben schon Bekanntschaften mit amerikanischen Bands gemacht, die gern mit uns spielen würden.
popconnection: Das ist schon echt ein riesen Netzwerk, das man über myspace aufbauen kann. Und wenn man bedenkt, welchen Erfolg es manchen Bands gebracht hat, die ihre Sachen zuvor nur über myspace publiziert haben, ist das schon enorm.
Tom: Das waren doch die Arctic Monkeys, die darüber recht viel ihrem jetztigen Erfolg zu verdanken haben...
popconnection: Genau, die waren es. Ich find's schon beachtlich, welche Wellen das geschlagen hat!
Tom: Ja. Ich kannte es vorher auch nicht. Ein Freund hat's mir irgendwann mal gezeigt. Jedoch war ich anfangs echt überfordert mit all dem ganzen "Input", aber nach ner Weile weiß man, worauf´s ankommt und sieht die Möglichkeiten und man will halt auch was vom großen Kuchen.
popconnection: Siehst du also das Internet eher als Vorteil für eine Band, wenn man nach oben will?
Tom: Kommt drauf an, in welcher Form man sich dort präsentiert. Bei myspace hat man ja im eigentlichen Sinne auch eine Art Homepage. Nur da funktioniert das ja mit Leute anfreunden auf einer anderen Ebene wie zum Beispiel eine normale Bandhomepage, die im Gegenzug eher statisch ist und man darüber wenig kommunizieren kann. Wenn man also Kontakt zu Leuten aufnehmen will, die einem weiterhelfen bzw. unterstützen könnten, ist das auf jeden ein Vorteil, den man sich eigen machen sollte.
popconnection: Meine abschließende Frage wäre dann: Was habt ihr für die Zukunft geplant?
Tom: Wir wollen das, was wir machen für immer machen und darum stecken wir uns einige Ziele wie zum Beispiel bald das nächste Album aufzunehmen, überall zu spielen, wo es möglich ist und uns einfach mit voller Hingabe dem Ganzen zu widmen. Wir müssen uns auch eine Booking Agentur suchen zum Beispiel. Aber im Wesentlichen sich zu zeigen.
popconnection: Na, da drück ich euch ganz fest die Daumen! Wir sehen uns dann ja hoffentlich im September auf eurem Gig hier in Münster!
Tom: Ja, du bist herzlich eingeladen!
popconnection: Ich werde da sein! Und vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast!
Tom: Danke für alles!
jen
Album »?Mind The Landscapes!«
popconnection
Palestar haben mit Mind the Landscapes ein grandioses Debüt-Album hingelegt. Ursprünglich hatte das Quartett aus Leipzig das Album aus eigener Tasche finanziert und galt lange Zeit als "eine der besten deutschen Bands ohne Plattenvertrag". Letztendlich ist das Album dann doch auf dem Label "Mi Amante" erschienen.
Mind the Landscapes enthält 12 Songs mit Tiefgang, voll gepackt mit Melancholie und Pathos. Palestar schaffen es mit hervorragenden Arrangements und ausdrucksstarken Lyrics gefühlvolle Songs zu kreieren, die den Hörer fesseln. Songs, die einen nicht mehr loslassen, die den ganzen Weltschmerz in sich vereinen und den Hörer mitleiden lassen.
Gleich am Anfang des Albums steht der instrumentale Titeltrack, der schließlich in #1069 übergeht, ohne dass der Hörer es merkt. Und schon ist man mittendrin und taucht ein in die Atmosphäre, die durch die großartigen Melodien, getragen von Patrick Sudarskis wunderbarem Gesang, erzeugt wird. Packende Songs mit einer gewaltigen Sensibilität wie beispielsweise die wundervolle Ballade Berlin is for Heros, die jede Pore des Musikliebhabers durchdringt und sich im Herzen festsetzt.
An Abwechslungsreichtum mangelt es auf Mind the Landscapes auf gar keinen Fall, denn die schwermütig klingenden Songs werden perfekt durch lockere Popsongs mit eingängigen Refrains wie Drowned in a Bathtub und Siberian Fog oder der rockigen Nummer Motor Homes ergänzt. Einen perfekten Abschluss des Gesamtwerks schaffen Palestar mit der anderthalbminütigen Akustik-Ballade Thought Police. Herz was willst du mehr!
Mind the Landscapes ist ein dynamisches und energiegeladenes Album mit großen Emotionen, das uns deutlich vor Augen führt, welches enorme Potential bei Palestar vorherrscht. Großartige Songs von einer großartigen Band!
jen
bluemchentapete
Blueprint Fanzine
Interrogative Verwirrung? Welche Landschaften soll man denn da beachten? Und warum? Etwa die abendkühlen seichten Gewässer im letzten Licht des Tages des instrumentalen Titeltracks, der gleich am Anfang des Albums steht? Während man noch grübelt, in welche Richtung das wohl führen soll, geht "Mind the landscapes" klammheimlich in "#1069" über. Und plötzlich fönt es dir die Haare senkrecht. Damit wir uns nicht falsch verstehen, von PALESTAR ist es nicht weit bis STARSAILOR. Nur nicht so weinerlich. Da gibt es diese COLDPLAY und RADIOHEAD (früher, nicht heute)-Momente, zum Beispiel in eben jenem "#1069". Oder man denke auch an KEANE ("Drowned in a bathtub").
Jedenfalls die ganz große Geste. Schwelgerische, aber keinesfalls schwülstige oder pathos-triefende Perlen im Breitwandformat. Irgendwann (vorzugsweise zweite Albumhälfte) leuchten auch die im Infoblatt bemühten Vergleiche mit SLOWDIVE und SPIRITUALIZED (zumindest ansatzweise) ein.
Meine Damen und Herren, wir schweben im All. Oder zumindest in der oberen Stratosphäre ("Sky is the loneliest place"). Kennt man ja alles schon, könnte man jetzt sagen. Und? Mir doch egal. Hey, das hier ist richtig richtig gut und nicht etwa irgendein lauwarmer Abklatsch britischer Helden. Kommt außerdem nicht mal aus England. Nein, aus Leipzig. Und ist auch noch das Debüt, das die vier Mittzwanziger quasi fast im Alleingang nur mit Hilfe von Tonmann Brian Lieno aufgenommen haben. Respekt.
Kämen PALESTAR aus dem Mutterland des Hype, hätte der NME schon aufgeregt in die Hände geklatscht!
Karina Wolter
IQstyle {04/06}
Hymns for heroes.
Wer auch immer den Werbetext zu diesem Album verfasst hat, dem sei an dieser Stelle und in diesem Kontext für den wunderbaren Begriff »Instrumentalschauspiel« gedankt. Dieses bereichert Sänger Patrick Sudarski durch Gesang und die Produktion um die notwendigen Details, die das Debüt der Leipziger Band Palestar zu einem sphärischen Indie-Rockalbum von internationalem Format verschmelzen lassen.
Wertung: 4 von 5 Sternen
js
unclesally*s {04/06}
Kleine Band, große Songs!
Vorneweg: Patrick Sudarski von Palestar ist auch, wie sagt man, Pop-Schreiber? Oder so ähnlich. Aber gemach, bevor jetzt einer schreit: Vetternwirtschaft! Deshalb ist er jedenfalls nicht hier drin. Eher weil Palestar eine ziemlich gute Band sind. Eine ziemlich gute Band freilich, die noch ziemlich viel Unterstützung gebrauchen kann. Also ab dafür:
Das Schicksal der Band Palestar, also von Patrick Sudarski (Gesang, Gitarre), Ole Toense (Gitarre), Tom Hausmann (Bass) und Schlagzeuger Flavio Steinbach, verfolgen wir schon seit einer ganzen Weile. Ihr in diesen Tagen erscheinendes Langspieler-Debüt »Mind The Landscapes« hat bereits anderthalb Jahre auf dem Buckel. Anderthalb Jahre, in denen die Band durchaus den Glauben ans Musikmachen hätte verlieren können. Anderthalb Jahre aber auch, in denen Songs wie »Berlin Is For Heroes« um kein Jota ihrer packenden Dringlichkeit verlustig gingen.
Jetzt aber erstmal chronologisch: Palestar kommen aus Leipzig, was bedingt wichtig ist, aber nicht, weil es in Deutschland liegt. Denn deutsch klingt hier nichts. Diese Musik könnte auch in Manchester, Detroit oder irgendeiner anderen Stadt, in der die Farbe grau dominiert, entstanden sein. Weil in solchen Städten Sehnsucht entsteht. Und Sehnsucht ist wichtig bei Palestar: Es ist dies einer der wenigen Glücksfälle, bei denen Pathos, Melancholie und epische Kraft in der richtigen Dosis zusammenfinden. Natürlich denkt man an Radiohead, Mercury Rev und andere große Vertreter des aufrichtigen Empfindungspops. Wegen ihrer enormen melodischen Sensibilität und dem ganz eigenen Umgang mit Dynamik und Klangschichten, denkt man aber auch ziemlich schnell nur noch an Palestar.
Sie haben »Mind The Landscapes« einst aus eigener Tasche finanziert, galten lange als eine der besten deutschen Bands ohne Plattenvertrag und haben nun endlich einen Partner gefunden. »Unser Label 'Mi Amante' besteht nur aus einer Person - Thomas, ein absoluter Musikliebhaber, der einen super Job macht, aber natürlich auch nicht SO viel bewirken kann. Ich bin froh, wenn für uns wenigstens ein paar Schnipsel runterfallen.« Wir finden: Es darf ruhig auch etwas mehr sein!
Torsten Groß
freecity.de {04/06}
Leipzig, also. Palestar sind vier Jungs aus Leipzig, die sich der Kunst im Gitarrenpop verschrieben haben. Sie schneiden ihre Soundscapes mit der Rasierklinge aus. Schon ihr Intro besagt, es besteht keine Notwendigkeit zu buhlen, den Hörer mit Spezialeffekten zu fesseln. Er wird sich schon alleine überzeugen. Eine gewagte These im Jahr 2006.
Doch Patrick Sudarski zieht das durch: Seine Stimme klingt immer zu schwach, um sich aufzubäumen. Er leidet explizit, aber das geht okay. Denn die musikalischen Mitstreiter kümmern sich um ein stimmiges Gesamtkonzept. Da diese Soundlandschaften ungemein präzise sind, hat ihr Sänger Sudarski Narrenfreiheit, darf auch mal ganz aussetzen. Besonders schön ist, wie die Songs verhallen. Sie klingen oft in aller Ruhe aus, wieder so ein Ding, dass es hier keiner eilig hat, sich mit dem Album beim Hörer einzukratzen. Ganz schön eigen, diese Leipziger, auch wenn solche Songs wie "Drowned In A Bathtube" am Reißbrett entstehen und schon tausendmal zu hören waren. Verzeihbar, denn die Gelassenheit, mit der sie ihre Jammerorgien, die Noise-Attacken und den introvertierten Pop auf fünf, sechs Minuten dehnen, erstaunt den Fan von Gitarrenmusik, der auf der Suche nach neuer Inspiration ist.
Claudia Nitsche
plattentests.de {04/06}
Innen hui
Schon mal ein Blind-Date mit einer Frau gehabt, die zur Feier des Tages beim ersten Mal in einem Jogginganzug aufläuft? Das muß abtörnen! Zugegeben: Der Vergleich hinkt ein wenig. Doch so ähnlich ist für uns Rezensenten manchmal jenes Gefühl, wenn eine Promo-CD einer neuen und noch recht unbekannten Band in eine häßliche Papierhülle gesteckt wird und relativ lieblos verpackt im Briefkasten landet. Man kann sich der ersten Distanz nicht erwehren. Doch weil es primär immer um Musik gehen soll und weil wir diese sowieso innig lieben, kommen wir irgendwann dann doch in den Quark. Und manchmal, so lehrt uns die Geschichte, tun wir gut daran.
Palestar. So bleich der Name, so bleich die Hülle. Was das wiederum über die Musik aussagt? Sehr wenig! Das Album "?Mind the landscapes!" der Formation aus Leipzig ist mitunter prächtig. Vier Menschen sind es nur, die diese Musik auf die Beine stellten. Dennoch ist der Sound so getragen, so dicht, daß der Hörer beizeiten eine ganzes Dutzend Protagonisten an irgendwelchen Instrumenten wähnt. Patrick Sudarski, der Sänger, hat dazu noch eine tolle Stimme. Sie paßt sich hervorragend den dramatischen Arrangements an, die da von Gitarre, Baß und Schlagzeug erzeugt werden. "#1069" ist ein solches Stück. Das grollt und rollt. Die tolle Melodie will kaum mehr aus dem Ohr. Und sie erinnern an Slut, als diese zu "Lookbook"-Zeiten noch auf dem richtigen musikalischen Trip waren. Auch bei "The worst is yet to come" kommt diese Assoziation in den Sinn.
Doch nicht immer ist es getragenes Pathos, das den Sound von Palestar ausmacht. Oft ist es auch das grollende Inferno. Ein Song wie "Motor home" klingt wie ein kleiner Ritt durch die Hölle. Immer wieder wird dieser Galopp jedoch versüßt durch hochtönige Gitarrenläufe, die sich wie ein roter Faden durch dieses Album ziehen. Bestes Beispiel: "Into the breathing", mit seinem furiosen Auftakt und diesem epischen Ende. "Berlin is for heroes" heißt dann ein schöner Song, der musikalisch der fragilste ist. Es spricht ein gewisser Trotz aus dem Titel, der dann inhaltlich in eine ganz andere Richtung führt, vom Scheitern Ludwig des XIV. berichtet. Die Band stattdessen kommt aus Sachsen. "Leipzig is for losers" fügen wir dem hinzu und verweisen gleichzeitig darauf, daß uns die kleinen Bands, die "Loser" sozusagen, eigentlich viel besser gefallen. Auch wenn sie im Falle von Palestar nicht immer die spektakulärsten sein mögen. Keine Helden, eher die netten Jungs von nebenan.
Eine Geschichte gilt es am Ende noch aufzulösen: Die mit der mangelnd adäquaten Bekleidung für das Rendezvous. Denn weil sich partout keine Plattenfirma erbarmte, dieses tolle Album zu veröffentlichen, nahmen Patrick und seine Mitstreiter die Sache eigens in die Hand, finanzierten ihren musikalischen Auftrag quasi im Alleingang. Die Belohnung haben sie sich nun selbst verschafft. Denn Palestar haben ohne Plattenvertrag ein Album gemacht, das viele andere Bands aus Deutschland selbst mit Plattenvertrag nie und nimmer so geschafft hätten. Und weil das so ist, ist uns der Jogginganzug mittlerweile scheißegal, in den diese Platte gekleidet ist. Und Du als Käufer empfängst das Date ja sowieso in einem vernünftigen Abendkleid.
Sebastian Peters
98eins.de {04/06}
Die CD der Woche bei radio 98eins
Lange hat es gedauert, bis Palestar den „Titel“ der „besten deutschen Band ohne Plattenvertrag“ ablegen durften. Nun hat sich mit dem kleinen Magdeburger Label mi amante records aber endlich jemand gefunden, der das Debutalbum der vier Leipziger in die Plattenläden und Online-Shops des Landes bringt.
Dabei sind Palestar längst keine Newcomer mehr. 1999 als Cover-Band gegründet, gingen sie einen, für viele (deutsche) Bands typischen Weg: Auf den ersten Auftritt in der eigenen Schule folgten erste eigene Songs, die sich noch im Bereich Punkrock bewegten. Mit einem neuen Schlagzeuger kam dann 2002 der Wechsel in Richtung Indie- und Brit-Pop. Ein Jahr später nahm man die EP „Coming up for air“ auf und wurde gleich als „beste Band Leipzigs“ ausgezeichnet. Auch auf dem Immergut im gleichen Jahr konnten Palestar überzeugen, so dass ihr Auftritt von den Besuchern zum Besten des ganzen Festivals gewählt wurde. Nach einigen Support-Shows, u. a. für Black Rebel Motorcycle Club, ging die Band schließlich Anfang 2005 ins Studio, um das komplett selbst finanzierte Debutalbum „?Mind the landscapes!“ aufzunehmen. Wochenlang wurde dort an den 12 Songs getüftelt und „herumgeschraubt“ bis man endlich mit allem komplett zufrieden war.
Dabei herausgekommen ist eine Platte, die sich perfekt für verregnete Sonntage oder ruhige Abende zu Hause eignet. Große, „breitwandige“ Popsongs wechseln sich ab mit Stücken, in denen es auch mal etwas schneller und lauter wird. Dazu gibt es bildhafte Texte, die z.B. mit einer Parabel auf Ludwig XIV. spielen und die von Sänger Patrick geradezu leidend vorgetragen werden. Vergleichen lässt sich das Ganze sicher vor allem mit Radiohead und Co., aber letztendlich haben Palestar ihren ganz eigenen Sound, der „?Mind the landscapes!“ zu einem wirklich hörenswerten Album macht.
noize.cc {04/06}
Es gibt nicht allzu viele Platten, die einen beim ersten Hören in den Bann ziehen, bei denen man spürt, dass da mehr ist als bloß aneinander gereihte Töne, bei denen Atmosphäre entsteht, die noch mehr Wachstumspotential hat. Schon mit den ersten Tönen von „?Mind The Landscapes!“ wird man von einem Sog erfasst, in den man sich gerne ergibt.
Wie unverschämt langsam der Boden mit dem Titelsong für „#1069“ ausgebreitet wird, ist einfach schön! Die Musik erfüllt langsam den Raum, explodiert dann plötzlich in herrliches Gitarrengewitter, fährt komplett runter und eine fragile Stimme setzt so melancholisch ein, dass einem Schauer über den Rücken laufen. Ist das eine geheime Kollaboration zwischen Mogwai und Radiohead, die sich hier austobt? Kann das auf dem Niveau überhaupt so weitergehen?
Nach so einem mächtigen Start braucht man erstmal etwas Auflockerung. Palestar sind zum Glück nicht immer nur traurig, ganz im Gegenteil, sie können auch euphorisch, erhaben („Berlin Is For Heroes“) und glücklich klingen. Wichtig ist nur, dass sie Emotionen rüberbringen. Zwar heißt es im Booklet „If you look fort he extreme you can only end up in between“, doch von einem faulen Kompromiss sind diese Jungs weit entfernt. Ohne Scham baden sie in ihren Gefühlen, sind hier und da schön pathetisch, sind aber in erster Linie sie selbst. Wenn ein Song diesen Pathos braucht, bekommt er ihn eben. Fertig.
Musikalisch pendelt das Ganze zwischen schön arrangierten Indie-Pop und verzerrten Rockern. Und genau diese Mischung macht eben dieses Album aus. Hier wird auch in weinerlichen Momenten nicht blöd rumgeheult, hier wird bei den härteren Momenten nicht der stumpfe Holzhammer ausgepackt. Nein, hier wird meist die richtige Balance gehalten. Richtig gut wird es immer dann, wenn die Gitarren zum Orkan ansetzen, wenn darüber diese Zuckermelodien schweben und Palestar sich in der Musik verlieren. Spielerische Schwere.
Mit dieser Platte gehören Palestar nach ihrer EP sicherlich zu den interessantesten Entdeckungen des Jahres bislang! Würde der NME von dieser Band wissen, er würde sie lieben! Tut er aber wahrscheinlich leider nicht – denn die Jungs kommen aus Leipzig.
Won Sin
sellfish.de {04/06}
Beginnen wir mit einem Superlativ: Der instrumentale Opener und dessen Fusion in das unendlich tiefe, gut sechsminütige "#1069" gehören mit zum intensivsten, was die deutsche Independent-Szene in den letzten Jahren auf Band gebracht hat. Großartig, wie inspiriert das klingt. Famos, wie die Gitarrenarbeit einen in den Bann zieht. Ein leichtes Absacken im weiteren Verlauf der zwölf Tracks muss und kann man Palestar dann auch zugestehen. Schließlich machen die Leipziger auf ihrem Debütlongplayer quasi keine Fehler. Patrick Sudarski beispielsweise gelingt es, mit seinen Vocals mühelos an große britische Acts a lá Coldplay anzuknüpfen, ohne - und hier liegt der feine Unterschied - wie viele andere heimische Kollegen dabei verkrampft zu klingen. Und auch die restlichen drei Musiker ziehen gleich, stehen in ihrer niemals aufdringlichen, getragenen Spielweise und Dynamik Formationen wie Savoy Grand oder Slowdive näher als deutschen Mitstreitern. "?Mind The Landscapes!", und das ist mit der Grund warum ich diese fünfzig Minuten so in mein Herz geschlossen habe, klingt von Anfang bis Ende natürlich gewachsen. Auch deswegen, weil sich die Band stilistisch trotz der erwähnten zahlreichen Parallelen niemals als ein Klon festklopfen lässt. Vor allem, weil man gerade in den etwas ausufernden Songs jenseits Airplay-Tauglichkeit diese ganz eigentümliche Faszination atmet ("Berlin is for heroes"). Abgerundet wird das wunderbare Kleinod von einer atmosphärischen Produktion, welche das internationale Potential von Palestar nachdrücklich unterstreicht. Sehr empfehlenswert.
Michael Streitberger
motor.de {04/06}
Bereits vor einiger Zeit haben wir an dieser Stelle über die Band Palestar berichtet, und bezeichneten das Leipziger Quartett bei dieser Gelegenheit zu Recht als "eine der besten ungesignten Bands Deutschlands". Dieses Potenzial hat nun endlich auch eine Plattenfirma erkannt. Via 'Mi Armante' wird das Palestar-Debüt "?Mind The Landscapes!" nun auch offiziell erscheinen. "Das ist ein ganz kleines Indie-Label, ein quasi Ein-Mann-Betrieb", erklärt Palestar-Sänger Patrick Sudarski. "Der Typ, der das macht, ist ein wahnsinniger Überzeugungstäter und Musikliebhaber." Genau die richtige Basis also, um den Songs der Band endlich auf breiterer Front Gehör zu verschaffen.
Zwar hat das ursprünglich selbstproduzierte Album mittlerweile auch schon anderthalb Jahre auf dem Buckel, in dieser Zeit gingen Songs wie "Berlin Is For Heroes" jedoch nicht im Geringsten ihrer bezaubernden Kraft verlustig. Aus den Haupteinflüssen Radiohead, Mercury Rev und Artverwandtem kreieren Sudarski und seine Mitstreiter Ole Toense, Tom Hausmann und Flavio Steinbach einen ureigenes, melancholisch-flirrendes Destillat. In diesen Tagen nun spielen Palestar bereits einige Konzerte, ehe es hoffentlich im Herbst zu einer größeren Tour kommt. Und dann wird hoffentlich auch der letzte die Möglichkeit nutzen, sich von der Band in andere Sphären entführen zu lassen.
Torsten Groß
flamingyouth.de {04/06}
Mit »?Mind The Landscapes!« tritt eine junge Band aus Leipzig auf den Plan, deren wesentlichstes Merkmal eine leidenschaftliche Sensibilität ist. Mit satten Farben malen sie pathetische Klangbilder, betten breit getragene Arrangements in ätherische Instrumentierungen und kombinieren fortschrittliches Songwriting mit Gesängen, denen man nie zutrauen würde, in Leipzig entdeckt worden zu sein.
Um so erfreulicher ist es, dass die vierköpfige Formation um Sänger und Songwriter PATRICK SUDARSKI imstande ist, diese Vorurteile auszuräumen. Wir haben es hier mit einer deutschen Band zu tun, der man ihre Sache wirklich gerne abnimmt. Vor allem die charismatische Stimme definiert die vielen gemeinsamen Eckpunkte der Melodien und der Instrumente. Klanggewaltig und empathisch in seiner Art, verarbeitet SUDARSKI Grunge-Einflüsse mit dem Leiden THOM YORKEs, ohne dabei in deren unnachahmliche Eigenheiten zu verfallen oder sich aus dem Patent-Eisschrank zu bedienen.
Seit fünf Jahren existieren PALESTAR nun schon und haben – wohl infolge des mangelnden Entdeckerwillens der Plattenindustrie – ihr Album komplett selbst produziert und finanziert. Nach ungezählten Studioaufnahmen, Live-Auftritten und Sampler-Beiträgen, war es für sie lange überfällig ihre Sicht der Welt auf Longplay darzulegen. Entdeckt werden PALESTAR übrigens auch nicht direkt beim ersten Hören. Was sich anfangs noch durch die teilweise hoch gebauten Gitarrenwände und die opulente Songplanung etwas überladen zeigt, offenbart seine Tiefe nach und nach und entlohnt des Hörers Geduld mit befreiender Detailfülle. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Band durch "?Mind The Landscapes!" die verdiente Aufmerksamkeit zu Teil wird.
micha
jetzt.sueddeutsche.de {04/06}
Manchmal ist man doch erstaunt, warum manche Bands sofort einen Plattenvertrag bekommen und andere konsequent außen vor bleiben. Palestar, ein Quartett aus Leipzig, ist eine dieser Bands, bei der man sich fragt, warum sie immer noch ungesignt ist und ihr Debütalbum selbst finanzieren und produzieren musste. Geben sie doch so schöne, schlaue Sätze von sich wie „If you look for the extreme you can only end up in between“ oder „You know misery always comes on a sunny day“.
Warum man die Landschaften meiden soll, ist mir zwar nicht so ganz klar, aber vielleicht könnte man dann nicht mehr so herrlich in seinem Zimmer schmachten. Denn – die Zitate deuten es schon an – auf „Mind The Landscapes“ wird gelitten. Mit großen Gesten, jeder Menge Britpop-Pathos à la Radiohead, James , Starsailor und Mercury Rev, übereinandergelegter Gitarren, Hall auf der Stimme, mit Pop-Hymnen wie „Drowned in A Bathtube“ und „Siberian Fog“ oder Melancholiefetzen wie „Into the Breathing“. Ob die Plattenfirmen hierzulande wohl schon mal was davon gehört haben, dass sich Britpop ganz gut verkauft?
Caroline von Lowtzow
intro.de {03/06}
Mein Gott, ich hatte gar nicht mehr in Erinnerung, wie sehr der Sänger von Palestar nach dem von Starsailor klingt! Oder war das gar nicht immer so? Ich hatte das von den Livekonzerten und Studioaufnahmen, die ich bisher von der Band hören durfte, gar nicht mehr so stark in Erinnerung. Zum Glück ändert sich das nach ca. der Hälfte der neuen CD. Dann, für den Song "Into The Breathing", klingt er nämlich eher wie Layne Staley von Alice In Chains, Gott hab ihn selig. Und dadurch wird mir erst klar, dass diese beiden Arten zu singen ja gar nicht so weit auseinander liegen: der Grunge- und der Britpop-Style.
Interessant. Insgesamt kann man von "Mind The Land", der neuen Palestar-Platte, auf jeden Fall sagen, dass sie sich um die große Geste bemüht, mit Hilfe von einer Menge Gitarren-Effekten und -Spuren, viel Hall und wenig Tempo. Und gemessen daran, dass sie ja bestimmt nicht so ein komfortables Studio wie Starsailor nutzen durften und sich mit Sicherheit auch nicht so viel Zeit wie die britischen Megaseller lassen konnten, klingt das Ergebnis sehr gekonnt. Besonders deshalb, weil Palestar die Palette der von ihnen genutzten Stilarten viel weiter fassen. Dementsprechend sind meine Lieblingssongs auf der Platte diejenigen, die auch mal mit überraschenden Wendungen um die Ecke kommen, wie das Coldplay'eske "Sky Is The Loneliest Place". Also durchaus eine gute Platte mit der Aussicht auf einiges an Aufmerksamkeit. Und Hut ab vor der Vielseitigkeit des Sängers!
Christian Steinbrink
elisabett.de {03/06}
Die Zeiten, wo die vier Jungs von Palestar wie viele andere kleine ungesignte Bands auch noch Demos an Klubs und Konzertveranstalter verschicken mussten, um dann Auftritte für lau zu spielen oder sich bei endlosen Nachwuchsbandwettbwerben die Blöße zu geben, gehören hoffentlich mit Erscheinen des Debüts »Mind The Landscapes« der Vergangenheit an. Zwar konnte die junge Leipziger Band schon mit einigen Sampler-Beiträgen eine kleine, aber begrenzte Hörerschaft um sich scharen, mit diesem Erstling nun könnte jedoch der Durchbruch gelingen. Zumindest sei es ihnen gegönnt, denn was die Band mit diesem Album hergezaubert hat, verdient grosses Lob und eine extra Portion Respekt. Das Album wurde nämlich nicht nur eigens aus der Band-Kasse finanziert, sondern man legte auch kurzerhand selbst Hand an und produzierte die Songs unter Mithilfe des Live-Mischers Brian Lieno im Alleingang.
12 Songs vereint »Mind The Landscapes«, eingehüllt in ein schöngestaltetes Artwork, das Booklet gespickt mit Fotografien und Zitaten, alles in einem sehr schlichten Rahmen gehalten, passend zum ebenso genügsamen Sound der Musik. Alle Stücke sind wohl geordnet, strukturiert, arrangiert. Töne und Klangfolgen verlaufen in geordneten Bahnen, umkreisen die charismatische Stimme von Sänger und Songschreiber Patrick Sudarski. Aber obgleich die Melodien ergreifend und pathetisch klingen, die Texte intelligent und bewegend, der Gesang steht nie im Vordergrund, verleitet nie mit Mitsingen oder Mitsummen. Vielmehr scheinen Melodie und Instrumente symbiotisch miteinander verbunden zu sein, sich gegenseitig zu fordern und zu steigern. Diese Wechselwirkung scheint genau die Stärke des Quartetts zu sein. Palestar überzeugen durch die melancholische und befreiende Kraft Ihrer Musik, die es lohnt, zu entdecken. Auch wenn man dazu gezwungen ist, die Platte mehrmals zu Hören, um die Schönheit und die Grösse dieser Band wahrzunehmen.
[man.ja]
motor.de {10/05}
Klingende Landschaften
Das eigenfinanzierte Debüt-Album '?Mind The Landscapes!' der Leipziger Band Palestar klingt mit einer derart episch-melancholischen Kraft nach Unterwegssein, dass es einem mitunter fast die Kehle zuschnürt. Man kann das Quartett wohl ohne Übertreibung als eine der besten deutschen Bands ohne Plattenvertrag bezeichnen.
Zugegeben, als neulich das Palestar-Debüt bei mir auf den Tisch flatterte, hielt sich die Euphorie in vergleichsweise überschaubaren Grenzen. Irgendein kluger Mensch aus der Redaktion hatte die seit fünf Jahren aktive Truppe für unsere feine Rubrik 'Für Euch Entdeckt' vorgesehen, also musste jemand was darüber schreiben. Routinejob, dachte ich, mach ich die Tage, dachte ich. Erstmal beiseite legen. Hab dann später doch mal reingehört, fand's ganz nett und am Abend mit Palestar-Frontmann Patrick Sudarski telefoniert. Eckdaten checken. Anschließend, so war der Plan, sollte während eines weiteren Durchlaufs von '?Mind The Landscapes!' die Geschichte geschrieben werden. Hat aber dann so nicht geklappt. War zu ergriffen. Wie schaffen es drei Mittzwanziger, eine graue, relativ unspektakuläre Stadt wie Leipzig so spannend, so weit, so verzweifelt, so voller Sehnsucht und Aufbegehren klingen zu lassen? Keine Ahnung, muss noch mal Patrick anrufen.
Der hat sich "mit 16 oder 17" eine Gitarre gekauft und darauf dann so lange geübt bis sein genervter Nachbar namens Tom Hausmann vor der Wahl stand, Patrick zu erschießen oder eine Gegenoffensive zu starten. Er entschied sich glücklicherweise für letzteres, kaufte einen Bass und setzte Lärm gegen Lärm. Zur Verstärkung holte er den Gitarristen Ole Toense dazu, bald stand der Plan, eine Band zu gründen. Da man für eine solche einen Sänger braucht, klingelten die beiden einige Zeit später mal beim Verursacher des ganzen Aufruhrs. Sudarski war von der Idee begeistert, Palestar war geboren. Der erste Schlagzeuger hat sich vor kurzem eine Modelleisenbahn gekauft und wurde durch den Stuttgarter Flavio Steinbach ersetzt, der außerdem bei den in Indie-Kreisen nicht unbekannten Amis von Barbara Manning And The Go Luckies spielt.
So eine Geschichte glaubt jetzt natürlich kein Mensch, aber "genauso hat sich das tatsächlich abgespielt". Sagt Patrick. Ist ja auch wirklich mal eine kreative Art, mit nachbarschaftlicher Ruhestörung umzugehen - man stelle sich den enormen Zuwachs für die hiesige Musik-Szene vor, wenn das alle so machen würden. Jedenfalls ist das, was danach kommt, erstmal nicht mehr ganz so glamourös. Jugendzentren, Finger blutig spielen im Proberaum, erste Demos verschicken etc. - Nachwuchsbandroutine. Was indes auf diesem Wege irgendwann passiert sein muss, das ist weit mehr als die einzelnen Teile der Summe erklären könnten. Aber Magie lässt sich ja ohnehin nicht erklären. Denn genau das sind Palestar tatsächlich: magisch! Und offenbar wahnsinnig dazu: Da sich wegen der üblichen Betriebsblindheit in den Chefetagen der kontaktierten Plattenfirmen niemand fand, der sich auf das Wagnis Palestar einlassen wollte, haben die Jungs '?Mind The Landscapes!' kurzerhand selbst produziert.
Und zwar nicht auf die ich-kenn'-da-Jemanden-der-kennt- sich-mit- Pro-Tools-aus-der-kriegt-ne- Kiste-Bier-wir-machen-das-bei-mir-im-Wohnzimmer-Tour, sondern richtig mit Produzent und so im Erfurter Studio. Hat sich aber verdammt noch mal so was von gelohnt die Mühe! Denn auch wenn Songs wie '#1069', oder der bandinterne Favorit 'Berlin Is For Heroes' ("kein Anti-Berlin-Song") durchaus am Lagerfeuer bestehen könnten, ist ein opulentes Klangbild doch bei Palestar die halbe Miete. Da werden Spuren gedoppelt und Gitarren aufgetürmt, dass Sudarski vermutlich ein paar Sonderschichten im Plattenladen einlegen musste, um die Schulden bei Tonmann Brian Lieno abzutragen. Denn der ist zwar auch Live-Mischer von Palestar, aber "ein Geschäftsmann".
Gänzlich unbegründet ist jedoch Hauptsongwriter Patricks Sorge, dass "wenn man mit großen Gesten hantiert und Pathos reintut, das auf manche Leute schnell so wirkt, als wolle man sich verstecken". Das Gegenteil ist hier der Fall. Des ehemaligen Englisch-Studenten Sudarskis im Mittelpunkt stehendes verzweifelt flehendes Organ dominiert auf angenehm undeutsche Weise die herrlich-elegischen Soundscapes seiner Band, die mal an Radiohead, mal an Mercury Rev erinnern, aber über genug eigene melancholische Kraft verfügen, um ohne weitere Referenzen auszukommen. Diese Songs erzählen die Geschichte von Palestar weit treffender, als Vergleiche dies vermögen. Sie erzählen aber auch eine ganze Menge über Fehler im System, denn das diese Band ungesignt ist, wäre in einer besseren (Musik-)Welt schlicht unvorstellbar. Und auch ich habe durch die Erfahrung mit Palestar noch etwas gelernt: Dass man manchmal eben doch zweimal hinhören muss. Auch bei einer vermeintlich kleinen, ungesignten Band aus Leipzig. Danke dafür.
Übrigens: Das komplette „?Mind The Landscapes!“-Album steht unter palestar.de zum Probehören und Kaufen bereit.
Torsten Groß
alternativenation.de {05/05}
Nebulös
Gute zwei Jahre ist es bereits her, als Palestar aus Leipzig mit ihrer EP Coming Up For Air für erstes Aufsehen bei Liebhabern von Britpop und Gitarrenmusik machen konnten. Fünf eingängige wie melodische Songs vermochten in ihrer Eigenheit und Eingängigkeit zu bestechen und machten Lust auf mehr. Das Ergebnis in Form des ersten Longplayers nennt sich ?Mind The Landscapes! und konnte zwei Songs der EP mit auf das Album herüberretten.
Das gleichbetitelte Instrumentalintro deutet unmißverständlich an, dass Palestar sich gewillt zeigen, einen völlig eigenen Klangkosmos zu schaffen, der bereits von der ersten Minute an den Ton angeben soll. #1069 legt sogleich nach und liefert drückend dichte Gitarrenwände, die sich vor dem unbescholtenen Hörer bedrohlich auftürmen. Gewollte Erhabenheit vermischt sich zunehmend mit pathetischen Gitarrenkreischereien, die nicht nur an dieser Stelle eigentlich gute Songstrukturen vernebeln und beständig eine Band hinter der Milchglasscheibe präsentieren.
Erhoffte man sich bei der EP noch eine Band, die nach vorne will und sich elementar entwickeln wie auch erneuern kann, lehnen sich die vier jungen Herren in ihrer Wattewelt gemütlich zurück und zücken in When Language Fails fatalerweise eine alles andere als gewollte Mundharmonika, die sich zudem nicht einmal mit einer Nebenrolle zufrieden geben will.
Martin Kesici erlebt in Berlin Is For Heros noch einmal sein ungebetenes Comeback, indem er in Berlin Is For Heroes vor dem innere Auge aufsteigt und mit geballter Faust und großen Gesten für uns singt. Aber halt. Hier singt nun einmal nicht Martin Kesici, sondern der Frontmann von Palestar, dessen Gesang zweifelsohne eine Stärke der Band verkörpert. Zum Schluss gibt es dann doch noch so etwas wie Versöhnung, denn das elegische The Worst Is Yet To Come ist dank seiner diesmal funktionierenden Dramatik und Grundstimmung einer der wirklich großen Momente auf diesem Album. Bleibt zu hoffen, das Palestar nach ihrer Reise durch diese Landschaften daran anknüpfen können und ihre Songs in Zukunft eher mehr durch sich als durch Schieberegler auf dem Mischpult sprechen lassen.
Redaktionswertung: 5/10
Sebastian Frick
Gaesteliste.de {05/05}
Manchmal sind die Wege der Musikindustrie schier unergründlich. Da bekommt man Woche für Woche Platten auf den Tisch, von denen man hofft, sie wären nie veröffentlicht worden, andererseits finden großartige Bands kein geeignetes Label. Palestar aus Leipzig sind so ein Fall. Bereits ihre Debüt-EP »Coming Up For Air« wurde an dieser Stelle 2003 gewürdigt und schon damals war es ein Rätsel, warum keine Plattenfirma zuschlug. Mit »?Mind The Landscape!« legen die vier Jungs nun nach und was soll man sagen: Sie sind erwachsen. Die Stärken des Debüts, die Frische und Begeisterung sind geblieben, die Songs jedoch bis ins Letzte ausarrangiert. Eine runde Sache! Dabei wissen Palestar die Guten auf ihrer Seite. Hier trifft Pathos a la Radiohead auf den hymnischen, typisch englischen Popentwurf, den man so vielleicht bei Embrace findet. Getragen werden die Songs dabei wie auf dem Debüt in erster Linie von Patrick Sudarskis großartigem Gesang. Wenn sich hierfür keine Plattenfirma findet, kann man seinen Glauben in die hiesige Musikbranche endgültig begraben – wenn man den denn je hatte!
Carsten Wilhelm
Tonspion.de {03/05}
Palestar gelten als eine, wenn nicht sogar als die Band aus Leipzig, die den Anschluss an internationale Maßstäbe schaffen kann. Es wurde viel Energie und Geld in das erste Album gesteckt, ohne das eine Plattenfirma ihnen bis dato den Rücken stärkt.
Die Vier legen mittlerweile eine sympathische Hochnäsigkeit an den Tag, sicherlich auch, weil der bisherige Werdegang und das bisher Erreichte eine sehr deutliche Sprache sprechen. Aus den vornehmlich zitierenden Anfängen und unbeholfenen Wut- und Ruhewechseln, hat sich eine Ausgeglichenheit, vielleicht auch Professionalität heraus kristallisiert, welche die Qualitäten der Band außer Frage stellen. Palestars Debütalbum »?Mind The Landsapes!« zieht eine gerade Linie, breitet sich episch aus, wie es sonst nur britische Bands schaffen und überrascht mit Eleganz. Sänger Patrick Sudarski hat keinerlei Berührungsängste mit Wut, Melancholie und Pathos. Er schwebt mit seiner Stimme über die ebenso losgelösten Gitarren, und ist gar nicht mal weit vom großen Popentwurf entfernt, wie ihn Embrace, Radiohead oder Mercury Rev beherrschen. Dieses Album ist so unmissverständlich, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, wann Palestar woanders stehen als im Leipziger Flachland.
jw
LVZ {03/05}
Zurück aus der Zwischenwelt
Die Zeit ist eigentlich kein Freund des Musikgeschäfts, arbeitet sie doch unnachgiebig gegen die nötige künstlerische Ruhe, die Bands brauchen, um ihren Songs Größe zu verleihen. Seit Leipzigs Palestar ihr Debüt »Coming Up for Air« veröffentlichten, sind einige Monate ins Land gegangen. Man konnte schon glauben, dass sich die Jungs in den psychedelischen Momenten ihrer Musik endgültig verloren hatten.
Doch mit »Mind The Landscapes« haben sie jetzt ein Album vorgelegt, das die lange Zeit des Wartens mehr als rechtfertigt – heute stellen sie’s in der naTo vor. Aus dem Britpop-Fantum des Vorgängers sind erwachsene Songs geworden, die den Pathos des britischen Gitarrenrocks nicht mehr nur dilettantisch zu zitieren versuchen, sondern ihn mit erstaunlicher Kraft und Dichte inzwischen selbst aufbauen können.
Die Strukturen sind zudem weitaus komplexer geworden, konzentrieren sich nicht mehr so konsequent auf das effektreiche Wechselspiel zwischen melancholischer Ruhe und wütendem Ausbruch, lassen sich heute vielmehr Zeit zum Erzählen, spielen mit Klangfarben, Stimmungen und zum Teil auch genre-fremder Stilistik. So holten die vier beispielsweise die Mundharmonika von »Last Fair Deal« ins Studio und zauberten mit ihr eine Atmosphäre in die Rille, wie man sie beim klassischen Roadtrip durch die Weite des amerikanischen mittleren Westens gern erfahren würde.
Bei all der hinzugewonnen musikalischen Qualität bleibt aber die Stimme von Patrick Palestars größtes Pfund. Hin und her gerissen scheint er am Mikrofon mit sich und der Welt zu hadern, latent resignierend, aber dennoch immer ein Fünkchen Hoffnung bewahrend.
Matthias Puppe
Kreuzer {03/05}
Ging die vorige Palestar-E.P. schon in Ordnung, so ist dieses Werk noch besser. Das heißt konkret: Das Songwriting ist abwechslungsreicher geworden; die Referenzen an britische Pop-Helden sind größtenteils einer selbstbewussten Eigenständigkeit gewichen. Dass Pat wundervoll singt wie eh und je, braucht man - weil es eine Binsenweisheit ist - kaum noch zu erwähnen. Beindruckend ist, mit welcher schlafwandlerischer Sicherheit sich die vier Musiker durch »?Mind the Landscapes!« spielen. Überraschen mag vielleicht, dass sich der Gast Thomas Hancke (Last Fair Deal) mit seiner Harp so perfekt einpasst. Beindruckend auch, wie ernsthaft das alles wirkt. Fast schon beängstigend. Zwölf Songs, die Schwermut in Töne kleiden; in elegischen Breitwand-Pop. Eine gewisse Traurigkeit kann sich da beim Hörer schon einstellen, wenn Pat singt: »War is over/ but the worst is yet to come«. Aber Hoffnungslosigkeit oder Depression, das sind Gefühle, die dieses Album gerade nicht auslöst. Ein bisschen Sehnsucht kann eben aufkommen. Und bevor man es vergisst, sagt man es besser dazu: Palestar kommen aus Leipzig. Man würde von selbst nicht unbedingt darauf kommen.
Johannes Künzel
soundmag.de {02/05}
Palestar kommen aus Leipzig und gehen nun nach einigen Jahren des Demorumschickens und Konzertspielens aufs Ganze. Ihr erstes Album „?Mind The Landscapes!“ haben sie selbst finanziert und vertreiben es über ihre Homepage. Fünf junge Menschen um die 20 mit Vorliebe für die britische Musik des letzten Jahrzehnts. Radiohead kommen einem bei Titeln wie „Thought Police“ und „Sibirian Fog“ recht schnell in den Sinn. Hier wird gelitten! Wer mitleiden will, ist willkommen. Verpackt wird der Kummer dieser Welt in viel Atmosphäre, etwas in „#1069“, wo Gitarre und Gesang ein wenig Hall bekommen und so langsam in die akustische Weite wabern. Und Sänger Patrick Sudarski wimmert sich ein wenige durch die leicht vernuschelten Texte. Und ja, das klingt stellenweise sehr gut. Was gibt’s noch? Zwei Popfolk-Songs mit „Drowned In A Bathtub“ und „These Walls Might Break“, einige Anklänge an U2 und manchmal werden Palestar auch richtig flott und rockig („Motor Homes“). Insgesamt scheint die Band sich intern jedoch auf Radiohead als Maßstab geeinigt zu haben. Das ist mutig und ein hohes Ziel. Auf der ersten Platte wäre es natürlich vermessen, ähnliche Resultate zu erwarten. Potential ist durchaus vorhanden. Ob man mit der Stimme des Sängers zurecht kommt, entscheidet nicht unwesentlich über hop oder top. Aber das war bei Radiohead auch schon immer so. Respektables Debut. Tip: Wer den ersten Track über die 0:00-Grenze zurückspult, bekommt noch eine kleine Russisch-Lektion. Zu bestellen ist das Album über die Homepage der Band unter www.palestar.de
Andreas Z.
PNG {02/05}
Palestar haben wiedermal unsere Welt verlassen um nun endlich ihr Debüt einzuspielen. Und so rotiert der Rohling gnadenlos Runde um Runde in meinem Player und erzeugt eine gigantische Soundwelle, breiter als breitwandig, tiefer als jeder Ozean auf einem fernen Planeten, höher als jedes von menschlichen Gehirnen denkbare Gebirge. Vorallem Sänger Patrick Sudarski, Palestar-Vordenker und Indie-Darling der allerersten Güte scheint diese Welt komplett verlassen zu haben, um mit seinen Getreuen das sich »?Mind The Landscape!« nennende Statement in unzähligen Spuren zu meißeln. Der Witz dabei ist, dass Palestar aus dem Provinzkaff Leipzig kommen und immer noch kein Label, keinen Vertrieb gefunden haben. Dabei konnten die vier Jungs mit ihren episch-psychedelischen Soundscapes der neueren britischen Indiepop-Schule (die mit den asymmetrischen Seitenscheitelträger-Typen) bereits auf den beiden Vorgänger-EP's »Bombay Green Rocket« und »Coming Up For Air« beeindrucken. Im United Kingdom hätten sie ihren Platz zwischen all den anderen, derzeit angesagten Bands (und im NME!) mehr als sicher. Nun also dieses Album, dass die enorm hohen Erwartungen an selbiges locker erfüllt und den Rezensenten ob der Diskrepanz zwischen beständiger Souveränität und beeindruckender Performance auf der einen und rätselhafter Ignoranz der Popindustrie auf der anderen Seite ratlos zurücklässt. Bitte alle jetzt und hier zuschlagen! Nirgendwo wird schöner gelitten!
the evil crane
Prinz {02/05}
Was niemand mehr für möglich gehalten hätte, ist nun wahr geworden! Nach 2 EP´s legen die Slacker um Sänger Patrick nun ihr erstes Album vor. Eine brillante Scheibe, randvoll gefüllt mit Songs voller Schwermut und Melancholie, die Sphären erschließen, von denen viele von uns bisher nicht einmal geahnt haben, dass es sie gibt. Mit traumwandlerischer Sicherheit kreieren Palestar Soundscapes, die unsichtbar miteinander verknüpft wie riesige Teppiche, durch zeitlose Räume fliegen und den Hörer träumend zurücklassen.
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EP »Coming Up For Air«
beatpunk {10/03}
Zurücklehnen. Durchatmen und … Play. Der Referenzscanner wird angeworfen und murmelt schon nach kurzer Zeit was von Radiohead, Coldplay und The Verve. Gitarre, Bass und Schlagzeug untermalen den Gesang, der hier das Heft in der Hand hält und klar macht, wohin die Reise gehen soll. Genau das macht solide Popsongs aus. Eine gute Stimme ist schon die halbe Miete, ein schlechter Sänger das Verderben. Bei Palestar passt alles zusammen. Während Patrick weiß, was er am Mikro zu tun hat, bemühen sich seine Kollegen um den Rest und auch das mit einer angenehmen Versiertheit. Die EP »Coming Up For Air« der Jungs aus Leipzig lässt beim besten Willen nicht vermuten, dass man sich erst zum zweiten Mal in ein Studio begeben hat, um Songs aufzunehmen. Beim Durchhören stellt man sich eher einen Haufen gestandener Musiker vor, die sich freuen ihrer fünfundzwanzigsten Band endlich ein paar angenehme Stücke entlockt zu haben. Palestar hingegen sind zusammen gewachsen, mal abgesehen von einem fliegenden Wechsel am Schlagzeug, für das sich jetzt der Ex-The Caine-Drummer Mark zuständig zeichnet.
Ich hatte noch das Vergnügen Palestar vor gut zwei Jahren in Riesa, damals unter dem Namen »Walking Backwards« scheiße finden zu dürfen und war reichlich überrascht, mit was für Indie-Perlen sie mittlerweile aufwarten. Fünf Songs zieren die D.I.Y.- Demo CD, völlig ohne Rumgestümper, dafür aber mit viel Ernst und einem treffsicheren Gespür für gute Melodien. Diese Platte ist wie gemacht für Melancholie und Nieselregen, absolut empfehlenswert für die nächsten Wochen und Monate. Ich hoffe, die vorliegende Besprechung wird nicht das letzte Mal sein, dass es sich über Palestar zu schreiben lohnt: ein Album wäre mal ein legitimer Grund, ein Plattenvertrag, 'ne Welttournee oder ähnliches. In jedem Fall haben sie das Zeug zu einer großen Band; eine gute Band sind sie schon jetzt.
Sebastian
monomag {04/03}
Palestar sind die Gewinner des Leipziger Rockpreises, waren schon mit dem »Black Rebell Motorcycle Club« unterwegs und spielen im Frühjahr auf dem Immergut und Melt! Open Air. Sie schweben mit Gitarrenwänden wie »Kent« und erinnern in einigen Augenblicken an die grossartigen »Radiohead«. Ihre Debüt EP heisst »Coming Up For Air« und lässt für die Zukunft viel Gutes erwarten.
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Britpoparsenal {02/03}
Palestar aus Leipzig lassen zurzeit die Herzen so mancher Musikfreunde höher schlagen. Nach dem Gewinn des Leipziger Rockpreises begann der Aufstieg für die Band. So spielten die vier Jungs beispielsweise als Support für Black Rebel Motorcycle Club. Nun kann man die live gewonnenen Eindrücke bestens auf der erschienenen EP nochmals verinnerlichen. Die 5 Tracks auf »Coming Up For Air« bestechen vor allem durch ihre Impulsivität und Ausdrucksstärke. Dabei wechseln sich tolle atmosphärische Gitarrenklänge geschickt immer wieder mit der Powerstimme von Sänger Patrick ab. Vor allem der Song »These Walls Might Break« spiegelt die unglaubliche Dynamik von Palestar wider.
Wer die vier gern auf der Bühne erleben möchte, wird die Gelegenheit ab April bekommen, wenn die Leipziger auf Tour gehen. Ausserdem stehen mit dem IMMERGUT und dem MELT! bereits 2 Festivals auf dem Tourplan. (8/10 Punkte)
Toni
PNG 57 {02/03}
Es ist noch kein Jahr her, da schrieb ich an dieser Stelle eine Lobeshymne ob der Debüt-Scheibe der vier Leipziger. Damals mehrten sich aber schon Stimmen, die das Fehlen neuer Songs beklagten. Die sieben Stücke der »Bombay green rocket« waren zum Zeitpunkt der Aufnahmen eben schon nicht mehr die frischesten. Dennoch haben eszwei der Stücke, im neuen Soundgewand, auf »Coming up for air« geschafft. Und Palestar haben dasUnmöglichegeschafft: Die Brillanz ihres Erstlings zu toppen!
Noch zarter, noch zerbrechlicher wirkt der Gesang, ja eigentlich die Songs im Generellen. Stücke, die selten laut sind, die sich leise schleichend in des Musikfreundes Gehörgängen festsetzten. Stücke, denen man anhört, dass an ihnen gefeilt wurde wie an einem Rohdiamanten. Bis er funkelt. Die an Coldplay und Konsorten oder manchmal sogar an U2 (in ihren besseren Tagen) erinnern. Beim Hören stellt sich bei mir das Gefühl ein eine Platte zu hören, die längst ein anerkannter Klassiker ist. So, als würde man sich die erste Oasis- oder Coldplay-Platte wieder mal zu Gemüte führen. Mit einer schon beängstigenden Souveränität und Leichtigkeit agieren die sich oft schüchtern gebenden jungen Herren, dass man sich fragt, wohin dies im besten Fall noch führen soll. Produziert hat das ganze Rajko »Bryan Lieno« Lienert, bekannt als Soundfreak und Mitglied der Erfurter Band L'eau.
Coldplay werden mit NME-Awards überschüttet. Und Palestar? Kriegen den Leipziger Szene-Award und ab und an eine Auftrittsmöglichkeit. Wo es doch umgekehrt sein müsste! Doch wenn man den Gerüchten glauben schenken kann, ist Besserung in Sicht. Stoppen können Palestar sich nur noch selbst. Mit den Giften, die auf eine so junge Band allerorten lauern. Gifte, die da überheblichkeit, Selbstüberschätzung und Größenwahn heißen. Für alles andere gibt's ja Entzugskliniken!
the evil crane
Gaesteliste.de {02/03}
Britpop scheint bei jüngeren Bands aus deutschen Landen durchaus wieder en vogue zu sein. Neben deutschsprachigen Bands wie Garish oder Sternbuschweg gibt es jedoch auch einige, die sich der englischen Sprache bedienen. Nova International, Atomic oder Palestar etwa. Letztere hat jüngst mit »Coming Up For Air« eine beeindruckende EP veröffentlicht, mit der die vier Leipziger 2003 voll durchstarten dürften.
Angenehm fällt sofort auf, dass die Jungs sich nicht nur am Britpop-Mainstream a la Oasis orientieren. Besonders an der Rhytmusfraktion, will sagen an Ex-The Caine-Drummer Mark, ist der Rave Stone Rose'scher Prägung nicht spurlos vorüber gegangen. Palestar gelingen hymnische Songs. Ein treibender, kraftvoller Rhythmus trifft auf Gitarrenwände, untermalt von Patrics eindrucksvoller Stimme. Kein Wunder also, dass man es bereits ins Vorprogramm des Black Rebel Motorcycle Clubs geschafft hat.
Carsten Wilhelm
EP »Bombay Green Rocket«
PNG 54 {05/02}
Palestar, Gewinner des Leipziger Rockwettbewerbs, kredenzen uns hier ihr Erstlingswerk. Allen Neidern zum Trotz werden hier 7 Songs präsentiert, die mit Oasis, und mit denen werden sie oft bösartigerweise verglichen, aber auch gar nix zu tun haben. Was die Jungs um Sänger Patrick hier abliefern ist so emotional, so komplex, so dicht, das es einem die Gänsehaut über den Rücken jagt. Palestar wissen um das Potential ihrer Instrumente und sie wissen es zu nutzen, wobei Patricks Stimme definitiv über allen thront. Dies ist kein Rumpel-Rock, sondern feinster Pop bzw. Rock mit starker britischer Färbung.
Palestars Vorteil ist, dass sie noch sehr jung und unbekümmert sind. Und so lassen sie die Bassläufe rennen, die Gitarren flirren und feedbacken. Der Gesang, hell, laut und klar, füllt dabei Riesenräume. Diese sieben Songs sind allesamt kleine Diamanten, die funkeln. Gitarrensolis fordern die der Herren Mason, Wright, Gilmour zum Duell!
Perfekter, moderner Brit-Pop, der auch gut rocken kann und den ich in dieser Güte innerhalb der alten und neuen Bundesländer bisher selten gehört habe!
Ich wünsche dieser Band den ganz großen Erfolg! Definitely, not maybe!
the evil crane
Sonstiges
Kreuzer {02/05}
Knietief im Dispo
Indie-Pop-Hoffnung und Sonnenkönige: Palestar sind auf dem Weg zu Größerem
Man ist mit Pat und Tom von Palestar verabredet. Den Weg zum Treffpunkt säumen Plakate, die ein Mia.-Konzert ankündigen. Mia. haben gerade recht viel Erfolg mit deutschsprachigen Texten, Quote hin oder her. Nach ein paar Minuten mit Pat (voc, git) und Tom (bs) ist man sehr froh, weil man dieses Thema nicht selbst angeschnitten hat.
Denn während er versucht, einen Filter in seine Selbstgedrehte zu basteln, sagt Pat bald darauf, dass es kaum eine unpassendere Frage gebe: »Wenn man seit seiner Kindheit Pop immer über die englische Sprache definiert, wenn man sich in dieser Sprache am besten ausdrücken kann - warum sollte man dann auf deutsch singen?«
Das stimmt schon. Palestar sind gut, genauso wie sie sind. Mit großartigen Melodiebögen, mit Pats großartiger Stimme und seinen etwas kryptischen Texten. Die muss man nicht beim ersten Hören verstehen, das Gefühl der Songs transportiert auf anderen Ebenen. Auch auf »!mind the landscapes?« ist das so. Bis zur Releaseparty wird das Album fertig sein, und soweit man das bisher hören durfte, ist es noch besser als die letzte EP »Coming Up For Air«. Waren da Referenzen wie Radiohead oder The Verve noch leichter auszumachen, fällt das jetzt schwerer. Es wäre auch ungerecht, ständig mit Vergleichen zu kommen. Musiker haben eben auch Platten im Schrank. Sich völlig frei von allen Einflüssen zu halten gelingt auch den avantgardistischsten Avantgardisten nicht.
Auf der anderen Seite ist es nicht leicht, Erfolg zu haben, wenn man sich in keinem Fahrwasser befindet. Kein Label kann Palestar reinen Gewissens als die neuen irgendetwas verkaufen. Folgerichtig stehen die Leipziger bisher ohne Vertrag da. Das soll und wird sich wohl ändern, hoffentlich. Zumindest hat Pat in dieser Hinsicht ein gesundes Selbstvertrauen: »Wir haben "?mind the landscapes!" nicht für unsere Familien oder für jemand anderen in Leipzig gemacht. Wir wollten internationale Standards erreichen.« Trotzdem weiß auch Pat um die Schwierigkeiten, bei einer Firma unterzukommen.
Ein Teil der erwähnten Standards ist die Produktion. In Leipzig kursierte das Gerücht, ein reicher Mäzen habe die Aufnahmen bezahlt. Die Wirklichkeit ist weniger glamourös. Zwar gibt es diesen Gönner, er hat aber nur die Studiokosten übernommen. Um den Rest aufzubringen, haben sich Palestar »wirklich hoch verschuldet«, so Pat.
Jetzt stecken Pat, Tom sowie Ole (git) und Mark (drums) also knietief im Dispo. Allen Widrigkeiten zum trotz wirken sie recht entspannt. Zwischen Zigaretten und Bier erklärt der Sänger: nicht weniger als sich selbst. Liebesschmerz und Verzweiflung, das sind die Themen, die das neue Album in großangelegten Bildern abhandelt. Man kann sich der Schwermut einfach hingeben, man kann aber auch zu verstehen versuchen. Schon der Titel zeigt, wie viel es zu entdecken gibt. Ohne Interpunktion meint »mind the landscapes« soviel wie "bemerke, vergeistige die Landschaften". Mit einem Ausrufezeichen verschiebt sich die Bedeutung des Wortes "mind" zu "acht geben"; das Fragezeichen ändert das Ganze zu "hast du was gegen...". Auch das Stück »Berlin Is For Heroes« hat diese Mehrdeutigkeit. Pat: »Das scheint leicht nach zu vollziehen. Man denkt vielleicht, dass es darum geht, einen Menschen verloren zu haben. Aber das ist in eine Parabel eingebaut, in welcher Ludwig X IV sein eigenes Scheitern beurteilt.« Und was sagt Tom zu Texten, die unter anderem um einen französischen Sonnenkönig gestrickt sind? »Gejammer, Liebesschmerz«, grinst er und steckt sich noch eine Zigarette an. Dann schließt er seine Lederjacke und steht auf. Er muss weiter. Bleibt nur, ihm viel Erfolg zu nachzurufen. Nicht für die Zukunft - sondern für die Gegenwart.
Johannes Künzel
Immergut-Festivalreader {05/03}
Keine 50 Konzerte auf dem Buckel - aber schon jetzt eine der besten Livebands Deutschlands. Wenn das Umfeld stimmt. Und das muss es bei Palestar. Was aber auch verständlich ist, bei ihrer Musik. Denn hier geht es um Atmosphäre, es geht um große Gefühle, die man tatsächlich fühlen muss – nicht durch die Ellbogen seiner Gegner beim Pogen, sondern einzig und allein durch Patrick's Stimme, Ole's Gitarre und die Rhythmusgruppe Tom (Bass) und Mark (Schlagzeug). Fast jeder Song ist Teil einer kleinen Hymne, fast jedes Songs verschafft dir ein klein wenig Gänsehaut – wenn du dich fallen lässt. Sicher, als Kritiker darf man feststellen, dass es nicht neu ist, dass es Radiohead und The Verve schon gibt oder gab. Klar, nichts gegen einzuwenden. Außer vielleicht, dass 3/4 der Band gerade mal ihren Zivildienst hinter sich haben und dass die fetten Jahre bei Palestar erst noch bevorstehen. Und die werden kommen, da bin ich mir sicher – wenn man ihnen die Zeit gibt, in Ruhe zu wachsen.
…
Britpoparsenal {04/03}
November 2002, in einem kleinen Club in Dresden spielt Palestar aus Leipzig einen Acoustic-Gig. Von der in Minimalbesetzung angetretenen Band war ich Widererwarten sehr beeindruckt und der guten Freundin, die mich erst überreden musste, sehr dankbar. Mir wurde nach diesem Auftritt mal wieder bewusst, dass ich nicht immer weit fahren und viel Geld für ein wirklich gutes Konzert ausgeben muss.
Rückblende: Im Oktober 1999 gründet sich Palestar und im Sommer 2001 erscheint ihre erste EP »Bombay green rocket«. Auf dieser EP experimentieren die Jungs noch, es ist unverbrauchte und unbefangene Musik, die man mit dem frühen Manchester-Sound vergleichen kann. Im Dezember 2001 kommt Mark als neuer Drummer und bildet zusammen mit Patrick (Voc,Guit), Ole (Guit) und Tom (Bass) bis heute die Band. Marks Einstieg brachte neuen Schwung, neue Impulse, zusammen ging man nun neue Wege und änderte auch den Sound. Anti gravity music oder auch Filigran-Pop bezeichnen Palestar ihre Musik. Auf ihrer im Dezember 2002 erschienenen EP »Coming up for air« ist dies zu hören. Fünf Songs in denen man einmal dynamisch mitgerissen und ein anderes Mal zum Schwelgen und Gleiten animiert wird. Die Akzeptanz, aber auch das Selbstbewusstsein der Band stieg mit dem Gewinn »Leipzigs beste Band« (2002) und des »Goldenen Rüdiger« (2002). Auch Auftritte im Vorprogramm von Black Rebel Motorcycle Club, Explosions in the Sky und Midnight Choir trugen dazu bei. Jetzt arbeitet die Band kräftig daran auch außerhalb von Leipzig und Umgebung bekannt zu werden, deshalb ist eine erste kleine Tour im April geplant.
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ALLESZ-Reader {04/02}
Weich und lazy zieht der Basslauf in den Song. Das Schlagzeug ist mit so viel Hall abgemixt, dass mindestens die Brixton Academy vorm inneren Auge erscheint. Gitarrenwände drohen gewaltig aus der Ferne und hinterm Gesangsmikrophon stirbt jemand wieder und wieder den melancholischen Heldentod. Palestar sind zwar eine Leipziger Band, aber das Quartett atmet soviel Cockney-Luft, dass ihre Gitarrenkoffer eigentlich mit Bergarbeiterstaub aus Nordengland bedeckt sein müßten.
Früher hießen sie Walking Backwards und gewannen schon den einen oder anderen Kleinstadt-Contest. Seit kurzem gibt Ex-The Caine-Drummer Mark die Geschwindigkeit vor, der Sound ist dichter, die Gesten cooler, fast snobistisch arrogant, und die Trophäen bedeutender geworden: Anfang des Jahres wurden Palestar zur Leipziger Band des Jahres gewählt. Ganz sicher nur ein weiterer Meilenstein. Legt man ein Ohr an die aktuelle Promo-CD, drängen sich hier und da auch ihre Vorbilder auf - aber das durchaus eher im positiven Sinnen. Allen voran Patricks Gesang, der sich mit dem Pathos von Richy Ashcroft und der Vertracktheit von Thom York messen kann. Vor allem die Sehnsucht auf dem hymnenhaften "Space" schreit förmlich nach einer Veröffentlichung als Sammlersingle. Die Gitarrenriffs und Akkordfolgen haben genau das Fünkchen latenter Harmoniesucht, die beim Reading-Festival regelmäßig die Mädels wild und die Jungs gefügig macht. Und die Rhythmusfraktion kennt den Rave-Boom natürlich nicht nur vom Hörensagen.
Zweifellos sind Palestar einer der besten klassischen Britpop-Bands weit und breit. Die Fangemeinde wächst stetig, und der große Durchbruch ist eigentlich nur noch eine Frage der Zeit. Bis dahin heißt es noch mehr Clubs rocken, ein bisschen an den großen Popgesten feilen und gelegentlich mal über die Reihenfolge und farbliche Zusammenstellung der ersten E.P.s nachdenken.
Matthias
Für die Presse
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